Peter Gilles (1953–2017) war ein Ausnahmekünstler der deutschen Gegenwartskunst – einer der konsequentesten und radikalsten seiner Generation. Seine Kunst war stets Selbstversuch und Grenzerkundung: am Rande des Vulkans, in körperlicher wie seelischer Extremsituation, im Rausch von Sauerstoffmangel oder in Zuständen körperlicher Erschöpfung. Was dabei entstand, ist keine Illustration von Erfahrung, sondern deren unmittelbarer Niederschlag.
Die Ausstellung »Odem« vereint großformatige Gouachen auf Papier mit der Installation »Nephesch« (1986), einer der zentralen Arbeiten seines Schaffens, die erstmals im Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen gezeigt wurde. In »Nephesch« – dem hebräischen Wort für Seele und Lebensatem – verdichtet sich Gilles’ künstlerische Grundfrage zur räumlichen Erfahrung: Was bleibt vom Menschen, wenn der Körper nicht mehr da ist? Die Arbeit entfaltet eine archaische, rituelle Wucht, die dem Ausstellungstitel seinen Ursprung gibt.
In den großformatigen Gouachen auf Papier setzt sich diese Auseinandersetzung auf anderem Terrain fort. Körper, Material und Existenz – die Fragen, die Peter Gilles zeitlebens umgetrieben haben, entfalten hier erneut ihre ungeminderte Wucht. Eigenblut und Kohle, organischer Abdruck und gestischer Strich, Rot und Schwarz: Gilles arbeitete ohne Pinsel, mit den langen Nägeln seiner Hände, aus dem Unterbewusstsein heraus und mit einer Unmittelbarkeit, die in der deutschen Kunst ihrer Zeit kaum ihresgleichen hatte.
Die Ausstellung ist Teil eines erweiterten Blicks auf das Werk von Peter Gilles – Anlass ist die Kabinettschau »Am Rande des Vulkans. Blut als Material der Kunst« im Kunstmuseum Villa Zanders, Bergisch Gladbach (10. Juli – 31. Oktober 2026), in der Gilles’ Werk im Dialog mit Positionen von Joseph Beuys, Felix Droese, Jenny Holzer, Birgit Kahle, Hermann Nitsch und Anna Sudermann gezeigt wird. Begleitend erscheint die erste umfassende Monografie zum Werk des Künstlers im Verlag Kettler.
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